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Monatsspruch für den März 2023

Was kann uns scheiden von der Liebe Gottes?
Römerbrief 8,35

Liebe Gemeinde,
mit dem neuen Gemeindebrief sind auch die ersten grünen Spitzen zwischen dem letzten Laub des vergangenen Jahres zu erwarten. Während wir in den letzten Monaten feststellen konnten, dass die Welt sich immer schneller dreht, gelten Schneeglöckchen, Krokus und Narzissen als sicher.

Wir haben zwei lange Jahre hinter uns, in denen das Planen in der Gemeinde mehr als schwierig war – ja, selbst die je eigenen Pläne waren völlig ungewiss. Sollte man Urlaub buchen, auch wenn neue Pandemieauflagen kommen können? Die Wirtschaft hat sich massiv verändert, das kann man beim Einkaufen merken. In die Zeit dieses Gemeindebriefes fällt obendrein noch ein entsetzlicher Jahrestag: Ein Jahr Krieg in der Ukraine.

Der Apostel Paulus ist sich ganz sicher, dass es etwas gibt, was unsere Vorstellung von Zuverlässigkeit übersteigt. Ich gehe davon aus, dass sich die grünen Frühlingsspitzen im braunen Laub zeigen werden. Allerdings gab es auch schon Jahre, in denen sie nach wenigen Tagen nur noch welk und zerknickt waren. Noch nicht mal auf das Wetter ist Verlass: Erinnern Sie sich noch an die Temperaturen zu Silvester? Sie stellen meine alten Sicherheiten radikal in Frage. Was unsere Vorstellung von Zuverlässig-keit übersteigt, ist die Liebe Gottes. Das schreibt Paulus. Vielleicht haben Sie diese Liebe in einem Faden er-wischt. Oft zeigt sie sich gerade da, wo wir ge-meinsam etwas wagen. Das können große Aktionen mit viel Engagement sein, wie die Präsenz unserer Gemeinde zum Rixdorfer Weihnachts-markt. Zwischen Marmeladen, Büchertisch und Krippenausstellung war sie da, die Liebe Gottes, die Menschen bewegt und zusammengeführt hat – auch in den Gottesdiensten und Konzerten in der Advents- und Weihnachtszeit. Haben wir sie gesehen? Die Liebe Gottes kann sich aber auch da zeigen, wo ich wage still zu sein und nur zu hören. Vielleicht passiert das am Küchentisch zu Hause oder in einer unserer Kirchen, bei den Andachten, auf dem Friedhof oder im Gespräch.

Paulus ist bekannt für seine Spitzfindigkeiten. Deswegen stellt er im Brief an die Gemeinde von Rom die Umkehrfrage: Wo kann die Liebe Gottes eigentlich nicht hin? Was müsste denn passieren, dass diese überaus zuverlässige Kraft nicht mehr auftaucht? Er schreibt: „Was kann uns scheiden von der Liebe Gottes?“ Gründlich wie er ist, nimmt Paulus nicht nur die Dinge in Betracht, die mit Sorgen beladen sind: Krieg, Klima, Inflation und Katastrophen. Er denkt auch über das überbordende Glück nach, das Menschen ereilen kann. Und trotzdem bleibt sein Ergebnis: nichts.

Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Wir werden immer geliebt sein trotz allem, was passieren kann.

Die Liebe Gottes ist ein absolutes und andauerndes Trotzdem, zuverlässiger, als man sich das vorstellen kann. Eine Gemeindebriefausgabe überbrückt noch lange nicht die Zeit, die man bräuchte, um diesen Gedanken im Herzen zu verstehen. Paulus hat dafür ein Leben lang gebraucht.

In Finnland wird wie inzwischen in vielen Regionen der Erde auch der Valentinstag (14. Februar) gefeiert. Auch da geht es natürlich um Blumen- und Süßwarengeschenke mit entsprechenden Werbekampagnen – allerdings mit einer Besonderheit: In Finnland ist es üblich, als Zeichen der Zuneigung kleine Karten zu verschicken, die keinen Absender angeben. Wie fühlt man sich wohl mit solcher Post?

Ein wenig verunsichert vielleicht, geschmeichelt, vor allem liebevoll angenommen? Man kann das genießen, so eine Karte zu bekommen und wird sich fragen, wo sie herkommt. Im besten Fall kriegt man das nie heraus.

Als finnischer Valentinsgruß kommt mir in diesem Jahr eine Karte ins Haus, auf der steht: „Was könnte dich von der Liebe Gottes trennen? Nichts.“

Es könnten verschiedene Menschen gewesen sein, die das für mich aufgeschrieben haben. Ich werde es nicht rauskriegen. Das einzige, was ich sicher sagen kann, ist, dass die gleiche liebevolle Botschaft auch in den anderen Briefkästen steckt. Alle Gesichter, die mir einfallen, haben ebenfalls diesen Brief erhalten. Ist das nicht aufregend und bezaubernd?

Ihr Florian Wilcke (Pfarrer)