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Text zum Monatsspruch

Aktuelles: Monatsspruch September 2019


Was hlfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewnne und nhme doch Schaden an seiner Seele?
 Mt 16,26

Liebe Gemeinde! Manchmal geht es ums Ganze. Dann entscheidet sich was. Das Leben hlt immer wieder solche Momente bereit. Ich muss mich entscheiden, welchen Weg ich gehe, wie ich mich entscheide. Oder ich muss sehen, wie ich mit etwas Unerwartetem, sei es positiv oder auch negativ, umgehe. Da geht es dann schnell um die Frage, was mir wirklich wichtig ist, was zhlt, was fr mich entscheidend ist in meinem Leben.

Jesus steht vor so eine Lebensfrage. Geht er seinen Weg konsequent zu Ende, folgt er seinen berzeugungen, auch wenn es schmerzhaft wird, wenn es ihn etwas kostet, vielleicht sogar das eigene Leben. Die Bibel berichtet, wie Jesus sich schlielich auf den Weg macht nach Jerusalem, in den Konflikt, ins Leid und in den Tod.

Aber zugleich berichtet die Bibel, dass Jesus das nicht im blinden Gehorsam tut. Immer wieder gibt es Moment, in denen er seine Entscheidungen bedenkt, sich im Gesprch austauscht mit anderen. Das gehrt bei ihm zum Glauben dazu. Immer wieder auch Fragen zu stellen, Zweifel zuzulassen. Jesus sucht das Gesprch mit denen, die ihnen begleiten, aber auch - im Gebet - mit seinem Gott, den er Vater nennt.

Jesu Ringen mit sich und mit seinem Gott fhrt immer wieder auch zu der Frage, was wirklich wichtig ist, was Halt gibt im Leben. Jesus fragt, was unbedingt wertvoll ist. Dieses unbedingt wertvolle verbindet sich mit dem Menschen, mit dem, was einen unverlierbaren Kern, eine unantastbare Wrde ausmacht. Auf den Punkt gebracht wird das mit dem Wort „Seele.“ Es mag wissenschaftlich kaum noch gebraucht werden, wahr bleibt das, was mit Seele gemeint ist, dennoch: Seele meint das, was den Menschen wertvoll macht, unabhngig von medizinischem Zustand, sozialen Umstnden, religisen berzeu-gungen beruflichem Erfolg etc. Und dieser Wert menschlichen Lebens ist - so sagt es Jesus, so soll es das Christentum in seinem Namen bekennen - in Gott gegrndet. Dass unsere Namen „im Himmel geschrieben sind“ (Lukas 10,20), das macht die Wrde des Menschen aus.

Wenn die menschliche Wrde Gabe Gottes ist, dann ist es aber zugleich Aufgabe menschlichen Lebens, diese Wrde, nicht nur die eigene, sondern ebenso die anderer, zu schtzen und zu wahren. Der Theologe Adolf von Harnack hat vor mehr als 100 Jahren deshalb geschrieben: „Wirkliche Ehrfurcht vor dem Menschlichen ist, ob sie's wei oder nicht, die praktische Anerkennung Gottes als des Vaters.“ So bleibt der Glaube nicht bei sich, sondern hat stets auch den Anderen im Blick. Und so bleibt Kirche nicht bei sich, sondern ist so immer auch fr Andere da.

Dr. Christian Nottmeier,
Superintendent
Ev. Kirchenkreis Neuklln



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