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Text zum Monatsspruch

Aktuelles: Monatsspruch Juni 2019


Ein jeder Mensch sei schnell zum Hren, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
 Jakobus 1,19

Liebe Gemeinde,
wie die Lebensweisheit eines Kalenderblattes kommt der Monatsspruch daher. Und in der Tat finden wir in der Bibel viele solcher Lebensweisheiten, nicht nur im alttestamentlichen Buch der Sprche, sondern auch im Neuen Testament. Gerade der Jakobusbrief lsst sich als ein Stck weisheitlicher Literatur verstehen, die zu bedenken ntzlich ist, nicht nur fr Christinnen und Christen.

"Sei langsam zum Reden...". Ununterbrochen wird heute geredet, oft lautstark, oft aggressiv, oft schnell. Bedchtiges Reden hat kaum noch eine Chance. Wie die Salven eines Maschinengewehres prasseln die Worte mancher Radiomoderatoren auf uns nieder, und den Teilnehmer*innen in politischen Talkrunden mchte man gelegentlich zurufen: redet nacheinander, das erhht die Verstndlichkeit. Wer da langsam ist im Reden, wer erst denken mchte, wer treffend formulieren will, hat kaum keine Chance, denn schnell fllt ihm die Moderatorin oder ein anderer Teilnehmer ins Wort. Schlagfertigkeit ist gefragt. Dabei wre Bedchtigkeit oft von Gewinn. "Erst Denken, dann Reden" ist nicht die schlechteste Devise.

Hren, aufeinander hren, zuhren, versuchen zu verstehen, was der andere meint, versuchen zu begreifen, was sein Anliegen ist, und vielleicht sogar versuchen, sich in seine Gefhlswelt hineinzudenken, ist eine Tugend, die heute selten gebt wird.

Das aber ist nicht neu. Schon Sren Kierkegaard (dnischer Philosoph und Theologe, 1813-1855) schrieb: "Der Mensch, dieser gewitzigte Kopf, sinnt fast Tag und Nacht darber nach, wie er zur Verstrkung des Lrms immer neue Mittel erfinden und mit grtmglicher Hast das Gerusch und das leere Gerede mglichst berall hin verbreiten kann..Was man [aber] auf solcher Weise erreicht, ist.: Die Mitteilung ist an Bedeutungsflle wohl bald auf den niedrigsten Stande gebracht, und gleichzeitig haben umgekehrt die Mittel der Mitteilung in Richtung auf eilige und alles berflutenden Ausbreitung wohl das Hchstma erreicht, denn was wird wohl hastiger in Umlauf gebracht als das Geschwtz?"(zit. aus: Bibel Andenken '19, S. 104).

Erst Hren, dann Reden, und auch erst dann Handeln, ist fr Jakobus Ausdruck christlicher Weisheit, einer Weisheit, die von Gott kommt. Sie verbindet sich mit dem Hren auf Gottes Wort, das sich im Gesetz niederschlgt. Diesem nachzusinnen fhrt zu vertiefter Erkenntnis des Guten. Wer sich Zeit nimmt nachzudenken, zuzuhren, abzuwgen, dessen Urteil wird Gewicht haben, und es lohnt, ihm zuzuhren. Natrlich heit das nicht, dass ein solcher immer recht hat, denn die Wahrheit hat niemand fr sich gepachtet. Aber es lohnt im Gesprch zu bleiben und gemeinsam nach Wahrheit zu suchen. Und wo das geschieht, wird auch der Zorn nicht blindwtig sein, sondern kann als positive Kraft Antrieb und Motivation zum Guten sein und dem Leben dienen.

Es grt Sie herzlich
Jrgen Fuhrmann



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