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Text zum Monatsspruch

Aktuelles: Monatsspruch Juni 2018


Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
 Hebrer 11,1

Liebe Gemeinde!
Ich habe gerne Gste. Es ist schn, entspannt zusammen zu sein, gemeinsam zu essen, einen guten Wein zu genieen. Ich geniee die Zeit und die Gesprche zusammen. Mal ist es nur „small talk“, mal geht es richtig in die Tiefe. Oft lerne ich Menschen dann noch einmal anders kennen, entdecke etwas an ihnen, das ich noch nicht kannte. Das bereichert auch mich. Nicht, dass jeder Abend mit Gsten immer gelungen ist. Manchmal bin ich nicht zufrieden mit einem Abend. Aber dann freue ich mich eben aufs nchste Mal. Weil ich wei, dass ein gelungener Abend sich eben nicht immer einstellt. Aber es passiert auch umgekehrt: da erwarte ich nicht viel, der Abend ist eher ein Pflichttermin. Doch dann wird es richtig gut, ganz unerwartet. Von solchen Begegnungen zehre ich dann besonders lange.

Christlicher Glaube lebt von der Begegnung und der berraschung. Daran erinnert der Wochenspruch aus dem Hebrerbrief. Gerichtet ist er an eine bedrngte Gemeinde. Es luft nicht gut. Menschen wenden sich ab. Die, die bleiben, sind mde, versuchen sich in den Verhltnissen einzurichten, oder sie kapseln sich ab, bleiben in den Kreisen, in denen sie sich kennen und sicher fhlen. Unsichere Zeiten bringen das wohl mit sich.

Der Schreiber des Hebrerbriefs sieht diese Sorgen und ngste. Er nimmt sie Ernst. Aber ebenso erinnert er daran, dass Glaube von der Begegnung und der berraschung lebt. Nicht nur im Eigenen, sondern auch im Fremden kann ich mich neu erkennen und neu erfahren. Ich muss mich nicht abgrenzen, muss keine Angst haben, etwas zu verlieren, wenn ich mich anderen ffne. Ich werde vielmehr beschenkt und bereichert, lerne neue Sichtweisen kennen und gewinne so einen anderen Blick auf mich selbst. Nicht, dass es dabei immer nur gute Erfahrungen gibt - hier gaukelt der Hebrerbrief nichts vor. Aber manchmal ist es nicht nur nett, so wie an vielen Abenden mit Gsten, sondern manchmal gibt es eine ungeahnte, kaum fassbare berraschung: „einige haben, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ Dann begegnet mir in dem Gast, der mir gegenbersetzt, egal, ob es ein Freund, ein flchtiger Bekannter oder vielleicht sogar ein ganz Fremder ist, Gottes Gte und Menschenfreundlichkeit. Dann entpuppt sich der Gast als Engel, als Bote (so lsst sich das Wort Engel am besten bersetzen) der Liebe Gottes. Das mchte ich wirklich nicht vergessen.

Dr. Christian Nottmeier
Superintendent des Ev. Kirchenkreises Neuklln



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