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Archiv - Texte und Gedanken zu der Losungen und Monatssprüchen

Archiv Monatssprüche 2010

Gedankensplitter zum Monatsspruch Juni

Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben.  
 Amos 5,4


Liebe Gemeinde,
ein Wort des Propheten Amos wird uns in diesem Monat mit auf den Weg gegeben.
Wer war denn das überhaupt – Amos?
Ein damaliger priesterlicher Staatsbeamter warnt den König Israels, Jerobeam II, der in Samaria residiert: „Amos bereitet einen Aufruhr vor!“ Er beschreibt ihn als einen Aufwiegler, einen Revoluzzer, einen, der den Umsturz vorbereitet. Doch als der Staats‐bedienstete ihm, dem Amos, selbst gegenübertritt, so weiß er doch: Amos ist ein Prophet. Doch soll er lieber das Land verlassen und von anderer Stelle aus seine Botschaft sagen.
Fragen wir Amos selbst, wer er ist, so antwortet er: „Ich bin kein Prophet, auch kein Prophetenschüler. Ich bin Viehzüchter und habe einen Feigenhain. Davon lebe ich. Ich verdiene mein Geld nicht mit Prophetie.“ Ein Laie also – einer im Ehrenamt. Und doch, von Gott herausgehoben, weiß sich Amos, um sein Wort ‐ Gottes Wort weiterzusagen.
Und was er da zu sagen hat, ist für die politische und religiöse Elite des damaligen Israel nicht schmeichelhaft. Er wendet sich gegen Unrecht und Gewalt, die verübt werden. Er wendet sich gegen ein verschwenderisches Leben. Er weist darauf hin: So kann es nicht weitergehen. Ihr rennt in euer Verderben, werdet vernichtet, werdet nicht mehr sein.
Nun haben wir gerade erst den Kirchentag erlebt. Waren selbst dabei oder haben uns davon erzählen lassen. Ein Erlebnis, das uns von dem Kleiner‐Werden unserer Kirchen kurzfristig ablenkt. Hier sind endlich einmal viele Christinnen und Christen zusammen! Und doch ist das eines unserer großen Probleme heute: Menschen wenden sich von der Kirche ab. Suchen jedenfalls nicht hier nach Gott. Kirche verschwindet.
Es gibt auch heute Probleme, die Menschen davon abhalten, in unserer Kirche auszuhalten. Zu altmodisch, zu verkopft, zu wenig junge Menschen, zu wenig Profil … Wie können wir zeigen, dass wir nicht ein alter Verein sind, sondern wichtig und hochaktuell für unsere Zeit? Denn das ist ja unsere Glaubensgewissheit, dass wir Gott brauchen in unserem Leben. Durch Gott wird allen Menschen Gutes zuteil. Amos sagt uns: Sucht!
Sucht nach neuen Formen, lernt unterscheiden – was ist Tradition und was der lebendige Wille Gottes? Sucht in der Heiligen Schrift, fragt nach. Sucht auch die auf, die von Gott durchdrungen sind, sie können uns wichtige Antworten geben. Amos jedenfalls hat das in seiner Zeit getan. Ein von Gott Durchdrungener, der zu Unrecht nicht schweigt und damit riskiert, unbequem zu sein, vertrieben zu werden, ausgegrenzt.
Suchet mich, so werdet ihr leben!
Wer still bleibt und nur den einfachen Weg wählt, wird nicht weit(er)kommen. Der Gott des Glaubens wandert und ändert. Auch wir können uns davon bewegen lassen.
Ob uns das gelingt? Ein Bild für die Suche nach Gott in unserem Leben ist das Labyrinth.
Es gibt Ecken und Kanten, Irrwege – und, wenn wir nicht aufgeben, dann werden wir ihn finden, den Schatz des Lebens.
Dass uns das gelingt, wir, die Suchenden bleiben, suchend nach Gott in und für unser Leben – das wünsche ich uns allen.
Ihre Christiane Richter



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