Archiv Monatssprüche 2009
Gedanken zum Monatsspruch März 2009Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr.
3. Mose 19,18
Liebe Gemeinde,
die Nächstenliebe gehört zum Allgemeingut des Christentums. Dabei ist das Gebot, den
Nächsten zu lieben, nichts spezifisch Christliches. Es ist vielmehr etwas, was uns aus unseren
Wurzeln, aus dem Alten Testament zukommt und Christen und Juden miteinander verbindet.
Das 3. Buch Mose beschäftigt sich hauptsächlich mit kultischen Fragen und göttlichen
Anweisungen, wie das Leben zu gestalten ist. Der Glaube an Gott muss im Umgang miteinander zum Tragen
kommen. Vieles wird im 19. Kapitel benannt, was uns vertraut ist aus den 10 Geboten: nicht stehlen,
nicht lügen, nicht falsch schwören bei Gottes Namen, den Namen Gottes nicht entheiligen.
Dabei spielt der Aspekt der Gerechtigkeit, also das Sorgen dafür, dass auch die Geringen zu ihrem
Recht kommen, eine wichtige Rolle.
Schauen wir auf die Herausforderungen unserer Zeit, dann erscheinen uns die Aussagen des alten
Testamentes, Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, erstaunlich aktuell.
Nächstenliebe ist immer dann gefragt, wenn das Lebensrecht eines Menschen leidet, wenn er in Not
ist, wenn Benachteiligungen und Unrecht drohen. So verstanden kann Nächstenliebe durchaus auch
geboten sein: Du sollst. Es geht nicht um emotionale Befindlichkeiten und Gefühle, es
geht in erster Linie um das dem Glauben gemäße richtige Handeln. Dabei ist der
Maßstab für die Nächstenliebe die Selbstliebe. In der Tat ist der Mensch sich oft selbst
der Nächste und fragt vor allem danach, was ihm selbst gut tut. Dieses gilt es auf den
Nächsten zu übertragen. Es gilt zu fragen, was ihm gut tut, was ihn bewegt, was ihm fehlt,
was er braucht, so, wie wir es ja auch für uns selbst tun.
Aber es gibt auch eine gestörte Selbstliebe, und zwar in zweierlei Richtung. Es gibt Menschen,
die so in sich verliebt sind, dass sie nur noch um sich selbst kreisen. Ihnen wird es kaum gelingen,
in gleicher Weise Augen für den Nächsten zu haben. Und es gibt solche, die sich schwer damit
tun, sich selbst zu lieben. Ihr Lebensrecht scheinen sie nur daraus abzuleiten, dass sie für
andere da sind. Ich kann aber nicht anderen etwas geben, was ich selbst nicht habe. Nur wer sich
selbst lieben kann, wird auch anderen Liebe schenken können und ihnen ihr Lebensrecht zugestehen,
wie er es sich selbst zugesteht.
Der Grund aller Liebe aber ist, dass wir geliebt sind: Ich bin der Herr. Dieser begründende
Nachsatz steht nicht zufällig am Ende. Nicht irgendwer gebietet die Nächstenliebe, sondern
der, der das Leiden seines Volkes in Ägypten gesehen hat und der sich in Jesus Christus mit allen
Menschen verbunden hat. Darum: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt
Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Jürgen Fuhrmann



