Archiv Monatssprüche 2009
Gedanken zur Jahreslosung 2009Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Lukas 18,27
ein Wort für 365 Tage
Sein Auto – hat er verschenkt. Die Wertpapiere – verkauft und
den Erlös gespendet. Sein Sparbuch – hat er aufgelöst. Das
Einfamilienhaus in betuchter Stadtrandlage eingetauscht gegen eine kleine
Wohnung auf der Karl-Marx-Straße. Mehr braucht er nicht, sagt er. Mehre würde
sein Herz nur eng machen.
Wenn Herr Meineke erzählt, klingt alles so einfach, so selbstverständlich.
Er wollte es ausprobieren, dieses andere Leben, von dem Jesus spricht. Er
wollte sich freimachen von all dem Ballast des modernen Lebens. Er wollte
für sich den Weg der Nachfolge entdecken.
Wenn Herr Meineke erzählt, scheint das alles tatsächlich möglich
zu sein. Und doch bleibt ein fremder Nachklang – nach großer Utopie,
nach märchenhafter Wirklichkeit. Nur notorische Optimisten können
von Gutmenschen wie Herrn Meineke träumen. Nur im Märchen gibt es
das, dass einer seinem Herzen folgt und alles verkauft. Ja, im Märchen,
wo ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgehen kann.
Wir kennen die Geschichte aus den Evangelien: Da kommt einer zu Jesus –
einer, der alles Gute getan und alles Böse gelassen hat. Einer, der Anspruch
auf einen Platz im Himmel hat wie kein Zweiter. So scheint es. Doch mit einem
Satz fegt Jesus die so wohlbedachte Heilsgewissheit des Mannes hinweg: Verkaufe,
was du hast, gib das Geld den Armen und folge mir nach!
Kein Wunder: Der Mann ist verzweifelt, denn er ist reich. Und nun soll er
sich von seinem redlich verdienten Besitz trennen, als wäre es der Hausmüll
der vergangenen zwei Wochen. Auch die Umstehenden, die dem Gespräch zugehört
haben, fragen sich erschrocken: Wer kann dann selig werden? Wer kann dann
überhaupt auf den rettenden Platz im Himmel hoffen? Wer kann des ewigen
Lebens sicher sein?
Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Mehr
sagt Jesus dazu nicht. Der eine Satz, ist er sich sicher, wird zum Weiterdenken
und Ruhigwerden genügen. Nur Petrus ist ungeduldig und fragt den Meister
besorgt: Was ist dann mit uns, die wir dir so treu nachgefolgt sind? Und er
bekommt die erhoffte Antwort: Wer sein Herz an Gott und sein Reich gehängt
hat, der braucht sich um die Früchte dieses Herzensweges nicht zu sorgen,
nicht in dieser und nicht in jener Welt.
Uns aber ist gesagt – für alle Zeit und besonders für das neue
Jahr 2009: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Ein Satz, der in allen Bedeutungsfarben strahlt – von Fatalismus über
Trägheit bis hin zu Gottvertrauen. Ein Satz, der einen weiten Raum aufspannt
– zwischen Aussichtslosigkeit und festem Glauben. Ein Satz, der vieles
meinen kann, wenn er aus Menschenmund erklingt. Von Jesus gesprochen aber
ist er eindeutig und klar:
Wir haben nicht in der Hand, woran sich unser Herz hängt. Es steht nicht
in unsrer Macht frei zu werden – frei von gefährlichen Bindungen
an allzu Irdisches, frei für die Nachfolge in der Spur Jesu. Die Rettung
kommt von Gott – für den reichen Mann aus den Evangelien wie für
uns. Der Wandel unsres Herzens ist ein Geschenk – damals, zurzeit Jesu
wie heute, im Jahr 2009 nach seiner Geburt. Also alles verkaufen? Die Armen
reich machen? Und mit all dem Autoschrott Denkmäler einer untergehenden
Kultur errichten? Die Geschichte des Gutmenschen Meineke bleibt ein Traum
– auch wenn es einzelne geben mag, die es gemacht haben wie er. Und
doch: Jedes gute Märchen enthält eine Botschaft auch für uns. Das
Gute siegt! Fleiß zahlt sich aus! Gott kann unsre Herzen wandeln! Die Märchenhaftigkeit
der Welt liegt in seiner Hand – und das ist gut so! Denn: Was bei den
Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Amen.
Nachwort: Ein gesegnetes Jahr 2009 wünscht Ihnen allen Pfarrer Matthias
Vogt. Lesen Sie die Jahreslosung ruhig einmal nach – zu finden bei Lukas
18,27. Wahrhaft ein Wort für 365 Tage!



