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Archiv - Texte und Gedanken zu der Losungen und Monatssprüchen

Archiv Monatssprüche 2008

Gedanken zum Monatsspruch November

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.
 Jesaja 58,10

Liebe Leserinnen und Leser,
am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, begehen evangelische Christen den Buß- und Bettag. Diesen festen Termin gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Früher wurden Buß- und Bettage eher von Fall zu Fall aus aktuellem Anlass ausgeschrieben und die gesamte Bevölkerung angesichts von Notständen und Gefahren zu Buße und Gebet aufgerufen. Schon im alten Israel wurden in Notlagen Fasttage abgehalten, bei denen Klage, Schuldbekenntnis und Bitte um Gottes Hilfe ihren Platz hatten. Nach der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 587 vor Christus wurden sie zu einer regelmäßigen Einrichtung und blieben es auch nach der Rückkehr der Verbannten aus dem Exil. Das Volk erwartete, dass Gott seine religiösen Bemühungen durch Wohlstand belohnen würde.
Der Prophet, der im 58. Kapitel des Jesajabuches spricht, übt allerdings im Auftrag Gottes scharfe Kritik daran, dass viele diese Fasttage zu einer frommen Show missbrauchen: Sie zeigen sich vor anderen mit hängendem Kopf und „in Sack und Asche“ (V.5); aber eigentlich haben sie nur ihre Geschäfte im Sinn. Um ihren Reichtum zu mehren, beuten sie ihre Arbeiter aus und machen Profit, indem sie verarmte Familien als Schuldsklaven verkaufen. Ein Fasten, das Gott gefällt, wäre es, wenn sie auf so fragwürdigen Gewinn verzichten, die Armen gerecht behandeln und die zu Unrecht Gebundenen freilassen würden. Wer genug Mittel zum Leben hat, soll davon abgeben, damit auch die Hungernden satt werden. Das wäre ein Fasten, an dem Gott Freude hätte.
„Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt ...“ – jeder Mensch, auch der ärmste, ist ein ebenso ein von Gott geliebter Mensch wie ich: Das sollte ich beherzigen. Wir Christen wissen, dass Gott für unsere Freiheit aus lauter Liebe zu uns nichts Geringeres gegeben hat, als Christus, seinen Sohn. „Wenn du den Hungrigen dein Herz findenA lässt ...“ – damit ist nach hebräischem Denken auch gemeint, dass wir unseren Verstand gebrauchen, um die Not elender Menschen nachhaltig zu bessern. Angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise ist besonders von Wirtschaftsleuten ein Umdenken gefordert – weg vom reinen Profitstreben hin zu mehr Verantwortung für alle, die von ihren Entscheidungen betroffen sind. Aber auch wir sind gefragt, was wir für andere tun können.
Es grüßt Sie
Ihr Gottfried Hülsen



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