Archiv Monatssprüche 2008
Gedanken zum Monatsspruch JuliVon allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Psalm 139,5
Das ist ein beliebter Vers aus dem 139. Psalm. Er wird gerne
als Taufspruch ausgesucht – der Wunsch, dass Gott immer und
überall über ein Kind wacht, bewegt die Eltern. Sie
legen das Leben des Kindes in Gottes Hand, weil sie wissen, dass sie es
nicht vor allem Übel bewahren können. Gott
möge das Kind im Leben schützend umgeben.
Für mich als Erwachsene ist diese Vorstellung heute
unheimlich: der allmächtige Gott, dem nichts entgeht, nicht
einmal meine Gedanken. Er kennt den Menschen schon von Mutterleib an,
er ist überall – am äußersten
Meer, ebenso wie im Himmel und sogar bei den Toten. So beschreibt der
Psalm Gott. Ja, kann man sich diesem Gott denn gar nicht entziehen? Mir
ist Jona sympathisch, der versucht, vor Gott zu fliehen. Er muss damit
allerdings scheitern. Gott jagt ihn mit einem Unwetter und schickt ihm
den Fisch, der ihn verschluckt, um ihn wieder auf den rechten Weg
zurück zu bringen. Mir ist Jona symphatisch, weil er sich Gott
entziehen will. Er will selbst bestimmen, ob er seiner Berufung folgt
oder nicht. Er will sich frei für seinen Lebensweg
entscheiden. Es gibt Lebenssituationen, in denen die Vorstellung von
dem allmächtigen, allgegenwärtigen Gott Trost und
Halt gibt. Dann können Menschen Gott aus vollem Herzen mit dem
139. Psalm loben. Ich bin gerade in einer anderen Lebensphase. Mein
Gotteslob klingt im Augenblick so: Herr, Du bist geduldig und
großmütig. Du rufst mich auf so vielfältige
Weise zu Dir, aber Du zwingst mich nicht, Deinen Ruf zu hören
- diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu groß. Du
lässt mich meine Wege gehen, wie es mir richtig erscheint. Du
hältst mich nicht davon ab, Fehler zu machen. Ja, Du
erträgst es sogar, wenn ich mich ganz von Dir abwende. Und
doch bist Du da, wenn ich Dich suche und empfängst mich mit
liebevollen Armen, wenn ich zu Dir zurückkomme. Ich danke Dir,
dass Du mich zur Freiheit bestimmt hast, wunderbar sind Deine Werke,
das erkennt meine Seele. So klingt mein Psalm im Sommer 2008
– wie würden Sie heute Gott loben?
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit und viele
Erlebnisse, die Ihnen Anlass geben, sich jubelnde Psalmenverse
auszudenken.
Ihre Pfarrerin Marita Lersner



