Archiv Monatssprüche 2007
Monatsspruch März 2007:Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Römer 6,18
Liebe Gemeinde,
von Karl Marx stammt der berühmte Satz: „Religion ist das Opium des Volkes.“ Weil die Ketten dieser Welt so quälend sind, würden die Elenden vertröstet auf ein besseres Jenseits. Solche Hoffnung würde das Leid zwar erträglicher machen, aber gleichzeitig auch die bestehenden Verhältnisse zementieren. Anstelle solcher unrealistischen Vertröstungen muss der entschlossene Wille treten, die Welt zu verändern und das Leid abzuschaffen. Richtig daran ist, dass das, was verändert werden kann, auch verändert werden muss. Längst aber wissen wir, dass es unrealistisch ist, das Leid abschaffen zu wollen. Wie aber leben wir damit? Die Worte des Paulus klingen in meinen Ohren ganz und gar nicht nach billiger Vertröstung. Aus ihnen spricht vielmehr eine tiefe Überzeugung und eine große Zuversicht, die uns im Leid trägt und in der Hoffnungslosigkeit hält. Begründet ist diese Zuversicht im Glauben an die Liebe Gottes. Diese Liebe Gottes ist nicht nur Gerede, sie ist konkret geworden in seinem Sohn Jesus Christus, der dem Leid nicht ausgewichen ist, sondern es ganz bewusst auf sich genommen hat. Gerade darin aber hat er erfahren, dass Gott zu ihm steht. Der sich am Kreuz von Gott verlassen fühlte („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ Mk. 15,34) wurde von ihm auferweckt zum ewigen Leben. Alles Leid und auch der Tod hat seitdem immer vorläufigen Charakter, das letzte Wort hat Gott, der ein Gott der Liebe und des Lebens ist. Paulus gibt sich keiner Illusion hin, dass in dieser Welt das Leid abgeschafft werden könnte. Im Gegenteil, er sieht sogar mit wachem Blick, dass nicht nur die Menschheit, sondern die gesamte Schöpfung, Mensch und Tier und Natur, leidet und sich nach Erlösung sehnt (Röm. 8, 18-22). Eine Erkenntnis, die im Zeitalter von Klimaveränderung, vom Aussterben bedrohter Tierarten und von Versteppung einst blühender Landschaften von Aktualität kaum übertroffen werden kann. Leid gibt es, solange diese Erde besteht. Jeder wird, vor allem Christen werden versuchen, Leid zu lindern, wo es möglich ist. Weil Christen aber Realisten und nicht Träumer sind, andererseits aber von dieser Welt auch nicht alles erwarten, können sie in innerer Freiheit geduldig sein, tragen, was ihnen auferlegt ist und ändern, was zu ändern geht, getreu dem weisen Gebet: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“
Es grüßt Sie herzlich, Ihr Jürgen Fuhrmann



