Archiv Monatssprüche 2006
Monatsspruch März 2006:
Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist Johannes 11, 27
Liebe Gemeinde,
dieser
Satz stammt aus dem Munde der Marta aus Betanien, die wir aus einer
anderen Geschichte vielleicht besser kennen: Marta und Maria. Maria,
diejenige, die Jesus zu Füßen sitzt und zuhört, Marta,
die ständig bemüht ist, den Haushalt zu richten und nicht zur
Ruhe kommt. Und Jesus tadelt Marta für ihre Unruhe und lobt Maria.
In der protestantischen Theologie wurde Maria schließlich zum
Bild eines Menschen, der durch das Hören des Wortes Gottes gerecht
und gut wird vor Gott, während Marta unterstellt wurde, sie wolle
durch gute Werke Gottes Wohlwollen erwerben. Ein ganz anderes Bild, das
Johannes von Marta zeichnet. Er beschreibt sie als eine glaubensstarke
Frau, die sich auf ein tiefgründiges theologisches Gespräch
mit Jesus einlässt. Ihr Bruder Lazarus ist schwerstkrank, sie geht
zu Jesus und bittet um Hilfe. Jesus lässt sich Zeit, und als er
kommt, ist Lazarus bereits gestorben. Der Vorwurf in Martas Stimme ist
nicht zu überhören: „Herr, wärst du hier gewesen,
mein Bruder wäre nicht gestorben.“ Aber der nächste
Satz überrascht: „Aber auch jetzt weiß ich: Was du
bittest von Gott, das wird Gott dir geben.“ Marta hat die
Hoffnung nicht aufgeben. Aber zunächst entspinnt sich ein
theologisches Gespräch zwischen Jesus und Marta – eigentlich
höchst ungewöhnlich, weil theologische Gespräche immer
nur unter Männern geführt wurden. „Dein Bruder wird
auferstehen“, sagt Jesus ihr zu. Marta zeigt sich als bibelfest
und schlagfertig: „Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird
am Jüngsten Tage.“ Marta stand fest auf dem Boden der
überlieferten Glaubenssätze und zweifelte daran nicht. Aber
was ihr Jesus nun sagte, war doch schwer zu verstehen: „Ich bin
die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt.“ Und Jesus fragt sie dann: „Glaubst du
das?“ Das Bekenntnis der Marta könnte nicht
überzeugender ausfallen: „Ja, Herr, ich glaube, dass Du der
Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“
Marta erkennt in diesem Wort Jesus als den Messias, den Christus, den
von Gott Gesandten, wie ihn die Juden lange ersehnten. Als den von Gott
Gesandten, der Herr ist über Leben und Tod, bekennen auch wir ihn
jeden Sonntag im Gottesdienst. Das Bekenntnis geht uns so leicht
über die Lippen, aber was sagen wir, wenn man nachfragt:
„Glaubst du das?“ Unser Glaube ist nicht immer gleich
stark. Auch Martas Glaube gerät kurze Zeit danach wieder in
Bedrängnis. Glaube ist nie Besitz, sondern muss immer wieder neu
geschenkt werden. Mit einem anderen Wort der Bibel können wir
sagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Und Gott sieht
jedes Fünkchen Glauben und reicht uns die Hand. „Glaubst du
das?“
Es grüßt Sie herzlich, Ihr Jürgen Fuhrmann



